Das Energieunternehmen Uniper ging im letzten Jahr an den Markt und versteht sich als Partner der erneuerbaren Energien und Wegbereiter der Energiewende. Das Kerngeschäft ist die Versorgungssicherheit, also eine zuverlässige Energieversorgung auch wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Wie ein junges großes Unternehmen agiert und welche Rolle Innovationen dabei spielen, das haben wir Dr. Stefanie Kesting, die bei Uniper für diese Innovationen verantwortlich ist, gefragt.

Startup_DUS: Uniper ist wohl in seiner Geschäftsform so kein Startup, aber als Uniper auch erst seit Januar 2016 auf dem Markt, richtig?

Dr. Stefanie Kesting: Das stimmt. Uniper ist seit Anfang 2016 operativ eigenständig am Markt und seit September an der Börse. Wir sind also ein vergleichsweise junges Unternehmen. Gleichzeitig blicken wir mit unseren Vorgängerunternehmen auf eine 100-jährige Energiegeschichte zurück. Wir verfügen daher über ein breites energiewirtschaftliches Know-how. Heute setzen wir uns dafür ein, den Wandel der Energiemärkte mitzugestalten. Da hilft es sehr, auf so viel Erfahrung zurückgreifen zu können.

Startup_DUS: Wir haben gelesen: der Name Uniper geht auf den Vorschlag eines langjährigen Mitarbeiters zurück und hat sich aus anfangs rund 3.000 Ideen durchgesetzt. Wie wählt man den passenden Namen für ein Unternehmen aus und welche tatsächliche Bedeutung für den Erfolg hat ein Name – besonders in Ihrer Branche?

Dr. Stefanie Kesting: Der Name kam tatsächlich aus unseren eigenen Reihen. Das trägt natürlich positiv dazu dabei, die Mitarbeiter auf den neuen Namen einzuschwören, und auf deren Überzeugung und Bekenntnis zum Unternehmen kommt es erst einmal an. Der neue Name und das neue Corporate Design wurden dann sehr konsequent auch extern genutzt und von einer Reihe von Kommunikationsmaßnahmen unter dem Motto „Energie hat einen neuen Namen“ begleitet. Diese Konsequenz und Schnelligkeit in der Umsetzung hat viele beeindruckt. Und es hat Uniper dabei geholfen, eine eigene Identität aufzubauen.

Startup_DUS: Die Gründung von Uniper aus E.ON heraus hatte, wie der Presse zu entnehmen, unter anderem die Zielsetzung, schlanke Strukturen und kurze Entscheidungswege zu schaffen, um erfolgreich auf die zukünftigen Marktbedürfnisse reagieren zu können. Wie wichtig ist die Wahl einer solchen Managementform für das Thema Innovation?

Dr. Stefanie Kesting: Enorm wichtig. Bei Innovationen ist Schnelligkeit ein kritischer Erfolgsfaktor. Wir haben daher unsere Organisationsform so gestaltet, dass wir jederzeit die richtigen Leute zusammenbringen können, um zum Beispiel neue Ideen und Konzepte zu bewerten und zügig Entscheidungen zu treffen. Das schließt den Vorstand, Top-Führungskräfte und die relevanten Experten mit ein und ermöglicht damit nicht nur schnelles Feedback für konkrete Ideen, sondern auch ein gegenseitiges „Befruchten“ mit unterschiedlichen Perspektiven. Denn bei aller Dynamik sind in einem MDax-Unternehmen die Kriterien für Zukunfts-Entscheidungen vielfältig und mitunter auch komplex. Und nicht zuletzt haben wir immer auch unsere Verantwortung für unsere Mitarbeiter und Aktionäre im Hinterkopf, wenn wir über mögliche neue Geschäftsfelder nachdenken.

Startup_DUS: Würden Sie sagen, dass ohne diese Managementform Entwicklungen, wie zum Beispiel Ihre Unternehmung der ersten LNG-Tankstelle für LKWs in Deutschland, so in dieser Form nicht bereits im Juni 2016 an den Start gegangen wären?

Dr. Stefanie Kesting: Ich glaube, dass heute nur derjenige eine Zukunft hat, der sich mit ganzem Herzen auf Neues einlässt, das heißt eine unternehmerische Kultur in die bestehende Organisation integriert. Unser junges Unternehmen Liqvis, das LNG-Tankstellen für LKWs baut, ist hierfür ein gutes Beispiel. Es gibt ja auch den Weg, innovative Geschäftsbereiche bewusst aus dem traditionellen Unternehmen heraus zu lösen. Wir haben uns stattdessen dafür entschieden, Innovation innerhalb von Uniper zu fördern, und auch außergewöhnlichen Ideen eine Chance zu geben. Das kann dann in der Praxis ganz unterschiedliche Formen annehmen, vom kurzfristig und funktional zusammengestellten Team bis hin zum am Markt agierenden Startup-Unternehmen.

Startup_DUS: In welchen Bereichen der Energiewirtschaft sehen Sie noch die Notwendigkeit großer Innovationen? An welchen Themen wird gerade geforscht?

Dr. Stefanie Kesting: Wir fokussieren uns auf unterschiedliche Innovationsfelder, aktuell überwiegend auf solche, die nah an unserem Kerngeschäft liegen. Ein Beispiel ist die Nutzung so genannter „Commercialized By-products“. Das sind Produkte, die an unseren Kraftwerksstandorten als „Abfallprodukt“ der Stromerzeugung entstehen. Solche durchaus wertschaffenden Nebenprodukte können in industriellen Prozessen genutzt werden oder zur Versorgung von benachbarten Industrieanlagen, Gewächshäusern oder ähnlichem genutzt werden. Auch im Bereich alternativer Kraftstoffe wie zum Beispiel der Nutzung von Flüssigerdgas (LNG) im Schwerlastverkehr sind wir sehr aktiv, wie bereits erwähnt. Ein wichtiges Thema ist in Zeiten der Energiewende natürlich auch die Speicherung von Energie. Wir betreiben verschiedene Power-to-Gas-Pilotanlagen zur Umwandlung überschüssiger Windenergie in Wasserstoff. Gemeinsam mit der RWTH Aachen betreiben wir den am Markt bisher einzigartigen Batteriespeicher M5BAT, der im echten Netzbetrieb 5 verschiedene Batterietypen testet. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt ist für uns der Bereich Digitalisierung. Neben der kontinuierlichen Digitalisierung und Effizienzsteigerung im eigenen Hause wollen wir bestmöglich unsere Industriekunden und Partner unterstützen und für sie über intelligentes Daten-Management sowie deren Analyse Wettbewerbsvorteile generieren.

Startup_DUS: Ist Düsseldorf für Sie ein Ort um die Energiewirtschaft voranzutreiben und ihr einen Nährboden zu bieten? Uniper hat sich ja bewusst für den Standort Düsseldorf entschieden.

Dr. Stefanie Kesting: Die Region in und um Düsseldorf ist deshalb so interessant für uns, da sich hier neben den „Schwergewichten“ der Branche im Laufe der Jahre auch viele kleine und mittelgroße Unternehmen angesiedelt haben. Viel Branchen-Know-how geballt in einer Region also. Uniper ist aber natürlich auch deshalb ein Düsseldorfer Unternehmen, weil hier schon vor unserer Gründung wesentliche Unternehmensteile ihren Sitz hatten – unter anderem unser Handelsgeschäft am Düsseldorfer Medienhafen mit knapp 1.000 Mitarbeitern. Auch wenn Uniper ein international tätiges Unternehmen ist, sehe ich mit Freude, dass es zahlreiche Anknüpfungspunkte für Uniper‘s Innovationstätigkeiten gerade hier an unserem Heimatstandort in Düsseldorf gibt, die es aufzugreifen bzw. weiter auszubauen gilt.

 

Uniper