Die IHK Düsseldorf vertritt die Interessen von rund 79.000 Mitgliedsunternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen aus Düsseldorf und dem Kreis Mettmann. Beratung, Förderung und Unterstützung in der Gründungsphase gehören zu den Kernaufgaben. Worauf es dabei ankommt und welche Kompetenzen Startuppern vermittelt werden, erzählt uns Dr. Nikolaus Paffenholz.

Startup_DUS: Beim Thema Förderung denken viele zuerst an das Finanzielle. Wie ist Ihre Definition von Förderung in der Startup-Szene?

Dr. Nikolaus Paffenholz: Wer sich selbständig macht, geht zunächst einmal ein Risiko ein, auch ganz persönlich. Wir wollen Gründern dabei helfen, dieses Risiko beherrschbarer zu machen. Dazu informieren und beraten wir zu einer Vielzahl von Gründerthemen und bieten Netzwerkplattformen zum Austausch mit Gleichgesinnten. Natürlich steht bei Gründern häufig das Thema Finanzierung im Fokus. Geschenktes Geld gibt es aber leider nicht, potentielle Geldgeber muss man mit seinem Geschäftskonzept und seiner Persönlichkeit überzeugen.

Startup_DUS: Eines von 76 Startcentern in NRW befindet sich in Ihrem Hause. Was unterscheidet Sie von anderen Startcentern? Welche Kompetenzen haben Sie, die den Düsseldorfer Startups weiterhelfen?

Dr. Nikolaus Paffenholz: Nach meiner Wahrnehmung gibt es in der Region Düsseldorf eine exzellente Zusammenarbeit der Beteiligten vor Ort, beispielsweise im Düsseldorfer Gründungsnetzwerk. Wir pflegen alle den kurzen Draht zueinander, das erleichtert den Austausch und ermöglicht Kooperationen. Das gilt im Übrigen auch für den Kreis Mettmann, wo wir häufig Gemeinschaftsveranstaltungen mit Partnern vor Ort anbieten. In unserer Beratung legen wir einen Schwerpunkt auf die Gründungsplanung und betriebswirtschaftliche Themen. Erfahrene Mitarbeiter, teilweise mit Bankenhintergrund, sind dabei ein großes Plus.

Startup_DUS: Sie empfehlen die Teilnahme an einem Gründungsseminar. Welche Vorteile bringt das? Kann eine Gründung so einfach in einem Seminar erklärt werden?

Dr. Nikolaus Paffenholz: Jede Gründung ist zwar einzigartig, aber alle Gründer stehen vor denselben Fragen: Kann ich das, was ich mir vorstelle, tatsächlich umsetzen? Gibt es einen Markt für mein Produkt beziehungsweise meine Dienstleistung? Und: Lässt sich damit genügend Gewinn erzielen, dass sich das Risiko für mich am Ende auch lohnt? In einem guten Gründungsseminar wird mir aufgezeigt, wie ich diese Fragen planmäßig „abarbeite“ und um welche Themen ich mich auf jeden Fall kümmern muss. Auf dieser Grundlage kann ich dann einen Plan für mein individuelles Gründungsprojekt erarbeiten. Als Gründer kommt man auch immer wieder in die Situation, Kapitalgeber, Partner oder Kunden davon überzeugen zu müssen, warum das Projekt Erfolg haben wird. Es hilft dann, gründlich vorbereitet zu sein und mögliche Schwachstellen mit Hilfe eines „Sparringspartners“ im Vorfeld geklärt zu haben.

Startup_DUS: Die Startup-Szene ist gezeichnet von Trends und oftmals verrückten Ideen. Wie bleiben die Mitarbeiter der IHK auf dem neusten Stand um in der Beratung up to date sein zu können?

Dr. Nikolaus Paffenholz: Weiterbildung wird bei der IHK auch intern großgeschrieben. Neben Auffrischung des vorhandenen Wissens beschäftigen sich die Mitarbeiter dabei auch mit aktuellen Methoden für die Geschäftsmodellentwicklung, neuen Trends, etc. Wir sind auch bei vielen Veranstaltungen dabei. Vor allem aber begleiten wir eine Vielzahl von Gründungsvorhaben, im Jahr rund 600, lernen innovative Persönlichkeiten und Ideen kennen und schöpfen daraus eine große Erfahrung.

Startup_DUS: Wie verhalten sich die Mitarbeiter des Startercenters, wenn Jungunternehmer mit einer völlig utopischen Geschäftsidee an Sie herantreten? Versuchen Sie, bei der Umsetzung des Konzeptes zu helfen, soweit das geht, oder würden Sie im Zweifel auch ehrlich von einer Gründung abraten?

Dr. Nikolaus Paffenholz: In der Praxis werden wir tatsächlich auch mit unkonventionellen, manchmal etwas verrückt anmutenden Ideen konfrontiert. Wir nehmen das zunächst einmal vorbehaltsfrei auf. Der Gründer muss uns dann aber umso plausibler erklären können, wie er die Idee erfolgreich umsetzen will. Denn wer etwas völlig Neues, Außergewöhnliches auf den Markt bringen will, geht damit ein noch größeres Risiko ein. Denn er/sie verfügt über keinerlei Erfahrungswerte, auf die er/sie zurückgreifen kann. Ein objektiver, kritischer Gesprächspartner, der die Euphorie bremst und das Projekt einem Plausibilitätstest unterzieht, kann daher eine große Hilfe sein. Wenn wir dann am Ende der Beratung nicht überzeugt sind, raten wir auch klar von dem Vorhaben ab.

Startup_DUS: Die IHK hat 2016 das „X-Ways Mentoring“ Programm ins Leben gerufen: Teams aus Startuppern und erfahrenen Experten ziehen gemeinsam mit Lunchpaketen und Papphockern durch die Innenstadt auf der Suche nach einem Platz zum Austausch. Das klingt skurril und interessant zugleich. Worum geht es bei diesem Programm?

Dr. Nikolaus Paffenholz: Unternehmer stehen häufig vor Aufgaben, die sie bis dahin nicht erlebt haben, die aber erfolgsentscheidend für die weitere Entwicklung sind. Das kann jungen Gründern aufgrund mangelnder Erfahrung ebenso passieren wie alt eingesessenen Inhabern oder Managern, die mit neuen Themen wie der Digitalisierung konfrontiert sind. Mentorenprogramme können beiden Seiten helfen, stoßen aber oft an Grenzen, weil zeitliche und finanzielle Ressourcen nicht vorhanden sind, potenzielle Mentoren nicht bekannt sind oder der richtige Ansprechpartner fehlt. Mit dem unkonventionellen Format X-Ways wollen wir es den Teilnehmern möglichst einfach machen, sich miteinander auszutauschen. Wie sich ein solches Treffen entwickelt, liegt ausschließlich in den Händen der Teilnehmer. Es gibt kein Protokoll, keine vorgegebene Vor- und Nacharbeit, keinen verpflichtenden Austausch von Kontaktdaten. Alles Weitere liegt bei den Teilnehmern.

Startup_DUS: Was waren die ausschlaggebenden Faktoren, dieses Programm 2017 fortzuführen?

Dr. Nikolaus Paffenholz: Wir stehen sicher noch am Anfang, aber das positive Feedback der Teilnehmer hat uns dazu ermutigt. Nach unserer ersten Erfahrung profitieren die Teilnehmer tatsächlich voneinander und führen den Austausch teilweise auch über das Event hinaus weiter. Daher bin ich sicher, es wird noch einige Fortsetzungen geben.

Veranstaltungen der IHK während der Startup-Woche 2017:

9.5.2017: X-Ways Mentornig IHK

10.5.2017: Geschäfte im Internet?
Ja klar, aber (rechts)sicher!

10.5.2017: Going international!

 

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