McKinsey&Company bietet weltweit Unternehmen strategische Management-Beratung. Als Knowledge-Partner engagiert sich das Unternehmen bei der Startup-Woche Düsseldorf. Fabian Billing, Senior Partner und Leiter des McKinsey-Büros in Düsseldorf, verrät uns im Interview unter anderem, worauf es bei der strategischen Unternehmensplanung ankommt. 

Startup_DUS: McKinsey & Company steht in über 60 Ländern verschiedenen Klienten in Unternehmens- und Strategieberatungs-Fragen zur Seite. Inwiefern haben Sie überhaupt mit Startups zu tun? Eine solche Beratung ist ja nicht gerade kostengünstig für frisch gegründete Unternehmen.

Fabian Billing: Natürlich sind der Großteil unserer Klienten eher größere Unternehmen. Allerdings arbeiten wir in vielfältiger Weise auch mit Startups zusammen. Wir unterstützen sie beim operativen Business Building was Themen wie Geschäftskonzept, Business Plan / Case, MVPs, et cetera umfassen kann. Zum Beispiel arbeite ich gerade mit einem kleineren Unternehmen, bei dem wir gemeinsam mit dem Management sehr stark das Wachstum vorwärts gebracht haben und in weniger als 2 Jahren den Unternehmenswert verfünffacht haben – nun mehr als 2 Milliarden Euro. Aber neben der klassischen Projektarbeit helfen wir auch mit Kontakten, das heißt, wir bringen oft Startups mit Führungskräften von großen Unternehmen zusammen, da dies typischerweise zu einer win-win Situation führt und beide davon profitieren. Außerdem unterstützen wir in den Städten unserer Büros über so genannte Startup-Clubs die lokale Startup-Community mit Coaching zum Geschäftsaufbau.

Startup_DUS: Worin sehen Sie als Profis die größten Risiken in der Unternehmensplanung von Startups in den ersten 2 Jahren der Gründung? 

Fabian Billing: Aus meiner Sicht sind das drei Dinge: 1) zu lange im eigenen Saft schwimmen, das heißt zu spät mit Lead Kunden sprechen und das Produkt operativ pilotieren und 2) nicht durchdacht zu haben, wie ich das Geschäftsmodell langfristig monetarisieren kann und 3) keinen konkreten Plan zu haben, wie ich das Geschäftsmodell skaliere: Wie komme ich von einem Kunden auf 100, auf 1.000 oder bei B2C-Geschäftsmodellen auf Millionen.

Statup_DUS: Bei der Startup-Woche Düsseldorf 2018 ist Ihr Unternehmen als Knowledge- Partner vertreten. Worin liegen die Kernstärken Ihres Unternehmens, die für Startups in Düsseldorf entscheidend sein können? 

Fabian Billing: Durch unsere globale Präsenz haben wir einen sehr guten Überblick über die konkreten Kundenbedürfnisse – sowohl B2C als auch B2B – in den einzelnen Märkten. Darüber hinaus haben wir einfach schon eine sehr große Zahl an Geschäftsideen und -modellen gesehen und somit eine „Pattern Recognition“, was funktionieren kann und was eher nicht.

Startup_DUS: Im Jahr 2013 veröffentlichte McKinsey eine umfassende Studie mit dem Thema: „Berlin gründet“. Warum wurde damals nur Berlin beleuchtet? Ist derzeit auch eine Studie für Düsseldorf und die Region in Arbeit? 

Fabian Billing: Berlin ist die prädestinierte Stadt für eine aktive Startup-Szene und hat sich in den letzten Jahren zu einer der führenden Startup-Metropolen in Europa, wenn nicht gar der Welt, etabliert. Diese Entwicklung und die Rahmenbedingungen dafür standen im Mittelpunkt unserer damaligen Studie, die wir auf eigene Initiative gemacht hatten. Düsseldorf haben wir zum Thema Startups im Jahr 2016 helfen dürfen, als wir die Stadt dabei unterstützten, das Ecosystem für Startups zu verbessern und damit hoffentlich auch hier ähnlich gute Impulse geben konnten wie damals in Berlin. Aus meiner Sicht hat Düsseldorf ebenfalls viel Potenzial – allerdings etwas anders positioniert. Düsseldorf hat den großen Vorteil, dass im nahen Umkreis – in Düsseldorf selbst, im Ruhrgebiet aber auch im Bergischen Land – sehr viele Großunternehmen oder renommierte Mittelständler ansässig sind. Das heißt, Düsseldorf ist damit prädestiniert für B2B-orientierte Startups, die logistisch guten Zugang zu vielen möglichen Kunden haben.

Startup_DUS: Was hat sich in den letzten Jahren in der Startup-Szene Deutschlands verändert? Und wo sehen sie die Szene in 5 Jahren? 

Fabian Billing: Die Startup Szene ist Deutschland ist in den letzten Jahren enorm gewachsen. Allein in den letzten drei Jahren wurden fast 10 Mrd. Euro in deutsche Startups investiert, Tendenz steigend! Ich hoffe, dass sich diese positive Entwicklung weiter fortsetzt, dass wir weiter Startups generieren, die global relevante Spieler werden und dass noch ein bis zwei weitere Hubs entstehen wie Berlin – aber entsprechend mit einer anderen Positionierung – und Düsseldorf hat hier sicherlich viel Potenzial, das es zu realisieren gilt.

Startup_DUS: Was macht Düsseldorf für Ihr Unternehmen zur absoluten Startup-City? 

Fabian Billing: Der Zugang zu Talenten aufgrund der Vielzahl von guten Hochschulen in der Region, der Zugang zu einer Vielzahl von Unternehmen als potenziellen Kunden für B2B Startups. Düsseldorf ist eine attraktive Stadt mit guter Infrastruktur und attraktiven Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten. International muss die Stadt für das Thema Startups allerdings noch etwas an Visibilität und Profil gewinnen, auch wenn hier schon wirklich viel erreicht wurde. Ich würde mich sehr freuen, wenn das Thema Startups weiterhin ein Fokusthema für die Stadt bleibt und bin davon überzeugt, dass wir hier noch viel erreichen können.

Startup_DUS: Vielen Dank für das Gespräch!