Ein Startup innerhalb eines großen Versicherungskonzerns zu gründen, birgt viele Chancen und natürlich auch Herausforderungen. Dirk Lui, Gründer und Projektleiter, erzählt uns, in welchen Fragen das AXA Startup Center euch zur Seite stehen kann und wie es überhaupt zur Gründung kam.

Startup_DUS: Als AXA Startup Center seid ihr laut eigener Aussage „ein Startup in einem Konzern“. Wie und aus welchem Grund ist das AXA Startup Center entstanden?

Dirk Lui: Für mich, der auf eine mehr als 15-jährige Berufslaufbahn in der Versicherungsbranche zurückblickt und dort verschiedene Positionen begleitet hat, stand fest: Es muss eine Veränderung her. Die Versicherungsbranche hat nicht das beste Image, obwohl sie eine tragende Säule der Volkswirtschaft und somit auch für jeden Einzelnen darstellt. Ganz sicher steht und fällt der Erfolg mit den handelnden Personen. Aber darauf muss ich ja nicht weiter eingehen, vielmehr möchte ich auf die Frage zurückkommen. Wie ist das AXA Startup Center entstanden? Im Februar 2016 wollte ich in meinem normalen Versicherungs-Alltag frischen Wind bringen und mietete einen Schreibtisch in einem Hinterhof-Loft in Flingern-Nord. Dort befand sich auch die Wirkungsstätte zweier Startups. Der enge Kontakt, die Zusammenarbeit und die gegenseitige Unterstützung fernab von Versicherungslösungen führten einem neuen Ansatz: Wie wäre es, Startups und Existenzgründer zu unterstützen und ihnen dabei auf Augenhöhe zu begegnen? Und das alles nach dem Give-Give-Get-Prinzip. Um ehrlich zu sein, war ich so davon überzeugt, dass ich es einfach versuchen wollte. In dieser Zeit lernte ich Yvonne Firdaus (Gründungsmitglied der GarageBilk) kennen und sie berichtete mir von ihrem Projekt und der Vision vom Factory Campus Düsseldorf als größtem  Inkubator Europas. Spontan trafen wir uns auf dem ehemaligen Werksgelände der Firma Metso Lindemann Fabrik in der Lierenfelder Straße. Yvonne führte mich über das riesige Gelände mit mehr als 30.000 m2-Fläche und wer den Campus schon sehen durfte, versteht, warum ich beeindruckt war. Damals noch im Ursprungszustand. Der perfekte Standort, um meine Idee umzusetzen. Dort, wo sich final mehr als 300 Startups, Fab-Labs, Unternehmen und so weiter ansiedeln würden, fand ich das perfekte Umfeld zur Umsetzung meiner Idee. Nach dem Rundgang war die Membership besiegelt, ohne genau zu wissen, wie es später aussehen würde. Nun stellte sich natürlich die Frage der Finanzierung. Idee: Haken dran, Umsetzung: Fragezeichen über Fragezeichen. Egal, aus Eigenmitteln finanzieren und dann mutig hinfallen und wieder aufstehen, war die einzige Option. Ich tüftelte an dem Konzept und nannte den Prototypen „AXA Startup Center“.

Startup_DUS: Was waren deine größten Hürden dabei? Denn ein großes Versicherungsunternehmen wie die AXA stelle ich mir eher nicht so hip und flexibel vor. Geht da die Neugründung einer Startup-Unit leicht vonstatten? 

Dirk Lui: Zunächst galt es, den richtigen Ansprechpartner im Konzern zu identifizieren und von der Idee zu begeistern. Ich befürchtete, dass der Weg, eine solche Idee in einem von Zahlen und Fakten geprägten und gesteuerten Versicherungskonzern zu etablieren und dafür Unterstützung zu bekommen, steinig werden könnte. Zunächst hangelte ich mich telefonisch durch verschiedene Ressorts durch und traf das AXA Transactional Business-Team. Das Team hat das Ziel, neue und innovative Lösungen zu entwickeln, die sich aus direkten Kundengesprächen und Kundenproblemen ergeben und weit über das klassische Versicherungsgeschäft hinausgehen. Eine davon ist die virtuelle Begleitlösung „WayGuard“, inzwischen die führende Begleit-App in Deutschland. Zudem gibt es bereits seit 2014 den AXA Innovation Campus. AXA glaubt daran, dass insbesondere durch die gezielte Zusammenarbeit zwischen Startups und großen Konzernen Innovationen schneller vorangetrieben werden können – auf der einen Seite die Erfahrung, große Kundenbasis, das Verkaufsnetzwerk bzw. der Marktzugang sowie Funding-Möglichkeiten und auf der anderen Seite die kreativen, schnellen und technisch versierten Startups. Durch die Zusammenarbeit mit dem AXA Innovation Campus erhalten Startups Zugang zu einem sehr großen Pool potentieller Kunden, sie können ihre Produkte und Services in einem Live Umfeld testen und weiterentwickeln. Dies hilft ihnen das Produkt viel schneller zu perfektionieren und skalierbar zu machen. AXA hilft Startups somit beim Erwachsenwerden. Letztlich war es dennoch nicht ganz leicht, es hat fast ein Jahr gedauert, bis der Business Case endgültig stand und die Budgets genehmigt und in trockenen Tüchern waren.

Startup_DUS: Welchen Mehrwert schafft das Startup Center für die AXA als wirtschaftlich handelndes Unternehmen? 

Dirk Lui: Wir zeigen, dass auch ein Versicherungskonzern flexibel und agil sein kann. Wir verstecken unseren Charakter und unser Know-How nicht hinter einem Anzug. Wir sind so. Wir sprechen dieselbe Sprache, wie unsere Partner und bringen die Startup-Mentalität in den Konzern.

Startup_DUS: Wie und mit welchen Kompetenzen steht ihr Startups zur Seite? Was ist euer absolutes Spezialgebiet und in welchen Bereichen verweist ihr lieber an andere Profis?

Dirk Lui: Als Projekt-Team eines weltweit agierenden Konzerns haben wir viele Möglichkeiten, nicht nur Pain-Points in allen Entwicklungsphasen eines Startups zu lindern beziehungsweise zu heilen. Die Optionen innerhalb des Konzerns reichen von der strategischen Partnerschaft mit dem AXA Innovation Campus über Manpower und Expertise aus den unterschiedlichsten Ressorts bis hin zur Konfektionierung von individuellen und flexiblen Versicherungslösungen für Gründer.

Startup_DUS: Zusätzlich zu eurer Beratung habt ihr „Die Startmannschaft“ ins Leben gerufen. Ein Team aus absoluten Experten. An verschiedenen Spieltagen coachen sie mit unterschiedlichen Themen und Workshops Startups auf ihrem Gründungsweg. Wie und wo können Startupper die Startmannschaft treffen?

Dirk Lui: An jedem ersten Mittwoch im Monat findet bei uns am Factory Campus ein „Break-Fast“ statt. Hier zeigen die Spieler (Mentoren) in kurzem Vortrag, mit welchem Thema sie die Startups unterstützen können und warum dies für die weitere Entwicklung wichtig ist oder werden kann. Anschließend findet sich die Gelegenheit bei einem vitalen Frühstück mit den Mentoren locker ins Gespräch zu kommen und die ein oder andere Frage beantwortet zu bekommen. Alle Spieler der Startmannschaft haben eine Art eigenen „Panini-Sticker“, den sie als Visitenkarte verteilen. Diese Sticker sind in einem Sammel-Album auf der jeweiligen Spielerposition zum Einkleben vorgesehen, so dass das Startup sich ein individuelles Spielfeld zusammensammeln kann, um den Ball gemeinsam mit den Experten ins Tor des Erfolgs zu schießen. Außergewöhnliche Workshops runden das Mentorenprogramm ab. Darüber hinaus stehen die Mentoren natürlich jederzeit zur Verfügung und arbeiten erst mal nach dem Give-Give-Get-Prinzip, um gemeinsam nachhaltig eigene zukünftige Partner zu coachen.

Startup_DUS: Was macht Düsseldorf für euch zur absoluten Startup-City?

Dirk Lui: Düsseldorf ist vielseitig, international, aber dennoch familiär. Die Wege zu Institutionen, insbesondere der Wirtschaftsförderung, sind kurz und direkt. Ebenso der Weg zu Politik und Wirtschaft. Die meisten verstehen den Startup-Spirit als Team, in dem jeder von jedem profitieren kann, und deshalb bietet Düsseldorf ein attraktives Netzwerk innerhalb und außerhalb der Stadtgrenze.

Startup_DUS: Vielen Dank für das Gespräch!