In den letzten fünf Jahren hat wacom das erreicht, wovon alle Startups träumen: Zu den Top-Unternehmen ihrer Branche zu gehören. Diesem Erfolg gingen viele Jahre Arbeit, unterschiedliche Entscheidungen und viele Umstrukturierungen voraus. Stefan Kirmse, Senior Vice President Global Marketing Brand & Corporate Communication, erzählt uns im Interview, was wacom und Startups in Düsseldorf verbindet. 

Startup_DUS: Wacom steht für eine Welt der Kreativität und auch für Innovation. Gerade Startups werden diese beiden Attribute zugeordnet oder besser gesagt, sie werden von ihnen vorausgesetzt. Welche Bedeutung kommt eurer Erfahrung nach Kreativität zu Teil?

Stefan Kirmse: Naja, das erklärt sich fast von selbst: Ohne Kreativität keine Innovation, ohne Innovation keine Startups. Gerade sie sind es, die Neues wagen, Bestehendes hinterfragen oder einfach mal die  Dinge grundsätzlich anders angehen. Kreative Designer, Künstler oder Fotografen machen nichts anderes: sie brechen alte Denkweisen auf und verrücken Perspektiven, um Dinge neu zu erschaffen.

Startup_DUS: Kreativität spiegelt sich in der Produktentwicklung wider. Das ist ganz klar. Aber wie gestaltet sich Kreativität beispielsweise in der Unternehmensführung und in Arbeitsprozessen? Ihr geltet da ja als besonderes Vorzeigemodell. Was würdet ihr Startups aus euren Erfahrungen direkt von Beginn an mitgeben wollen?

Stefan Kirmse: Wacoms Erfolgsgeschichte startete vor mehr als drei Jahrzehnten in einer kleinen Blechbude in mitten der Reisfelder von Saitama, Japan. Erst in den letzten 5 Jahren haben wir uns als globales Unternehmen aufgestellt. Eine weltweite Führungsmannschaft steuert heute Teams länder- und kulturübergreifend. Das spiegelt sich auch in der Büroumgebung in Japan, USA und Deutschland; basierend auf unseren Werten und der Mission, Kreativität nach außen wie nach innen zu leben. Mit unserem neuen CEO, ab dem 1. April, werden wir sicher noch einmal spannende neue Impulse bekommen, die es gilt, in unsere dynamische Führungskultur einzuspielen.

Startup_DUS: Wacom engagiert sich besonders in der Förderung von Startups in der Frühphase, die Lösungen im Bereich ‚digital stationery‘ und ‚digital ink‘ anbieten wollen. Bitte erkläre uns diese Branchen-Begriffe doch mal genauer und damit auch, an wen sich wacom hier gezielt richtet in der Startup-Szene.

Stefan Kirmse: Machen wir es mal ganz einfach: Was ich heute vielleicht mit Papier und Bleistift mache, kann ich ebenso gut mit einem digitalen Stift auf elektronischem Papier – oder einem Display – machen. Der Mehrwert der digitalen Tinte liegt dabei in den Daten, die sie in sich trägt; etwa den Urheber, den Ort des Geschehens, die Zeit oder mit wem die Information geteilt oder von wem sie weiterverarbeitet werden soll. Hier gibt es noch viele mögliche Entwicklungen, die der Fantasie von Startups keine Grenzen setzen.

Startup_DUS: Die Vernetzung von Großunternehmen und von Startups wird immer bedeutender. Für beide Seiten. Wie seht ihr diese Entwicklung allgemein und für wacom? Wer ist aus eurer Sicht dabei der größere Sieger?

Stefan Kirmse: Wenn die großen Unternehmen, die Korporationen, sich einem möglichen Change-Prozess wirklich stellen, dann sind natürlich beide Sieger. Denn Großunternehmen verfallen schon mal in eine gewisse Lethargie und Starrheit. Startups können hier so manche Inititialzündung auslösen und Firmen aus ihrem Dornröschenschlaf wecken. Umgekehrt fehlt einem Startup an einem gewissen Punkt der Entwicklung oft die kritische Masse für weiteres Wachstum – hier sind die Großen dann willkommene Wachstumshelfer.

Startup_DUS: Und jetzt mal was in eigener städtischer Sache: Im September 2016 verlegte wacom seinen europäischen Firmensitz von Krefeld nach Düsseldorf. Damals wurden auch die Standorte Berlin und Paris für eine mögliche Firmenumsiedlung in Betracht gezogen. Wieso hat Düsseldorf am Ende das Rennen gewonnen? Und hat sich diese Entscheidung – jetzt fast anderthalb Jahre später – bewährt?

Stefan Kirmse: Da habt ihr zwei nette Orte rausgepickt. Aber tatsächlich waren viel mehr Standorte im Gespräch. Düsseldorf hat sich inzwischen als die richtige Entscheidung herausgestellt. Den meisten Mitarbeitern gefällt es super; selbst denjenigen, die sich morgens durch den Berufsverkehr quälen müssen. Als Unternehmen haben wir der begonnen, uns erfolgreich mit der ‚local community‘ zu vernetzen und dies auch mit zahlreichen Engagements zu untermauern. Die Startup-Woche Düsseldorf nimmt dabei schon einen festen Platz ein.

Startup_DUS: Was macht Düsseldorf für euer Unternehmen zur absoluten Startup-City?

Stefan Kirmse: Zunächst und vor allem die Menschen, die hier leben. Das Engagement und die Leidenschaft, diese Stadt weiterentwickeln zu wollen, ist allenthalben zu spüren. Nicht nur in der Wirtschaftsförderung und den kommunalen oder staatlichen Projekten, sondern auch in zahlreichen privatwirtschaftlichen Initiativen. Die wachsende Zahl der digitalen Unternehmen in Düsseldorf und in ganz NRW spielen dabei eine durchaus treibende Rolle.

Startup_DUS: Vielen Dank für das Gespräch!