Sie bereichern unser aller Leben: Innovationen auf dem Gesundheitsmarkt sind für die Zukunft unerlässlich. Die apoBank unterstützt nicht nur Ärzte und Apotheker sondern auch Startups in der Gesundheitsbranche. Daniel Zehnich (Bereichsleiter Gesundheitsmärkte und -politik) erklärt uns im Interview, welchen Hürden Startups in der Gesundheitsbranche begegnen und für welche Herausforderungen zeitnah innovative Lösungen gebraucht werden. 

Startup_DUS: Die deutsche Apotheker- und Ärztebank unterstützt das erste speziell auf den Gesundheitsmarkt ausgerichtete Accelerator-Programm Europas: das Startupbootcamp Digital Health. Warum benötigen Startups im digitalen Healthcare-Bereich besondere Unterstützung?

Daniel Zehnich: Der deutsche Gesundheitsmarkt bietet Startups eine Menge Hürden. Auch wenn der Markt aktuell von einer enormen Eigendynamik und hohem Wachstumspotential geprägt ist, brauchen Gründer hierzulande vor allem Geduld. Das ist zum einen in der hohen Regulatorik des deutschen Gesundheitsmarktes begründet. Vor allem der Marktzugang gestaltet sich schwierig: Die digitale Gesundheitsleistung muss sich so gut darstellen, dass sie entweder von den Krankenkassen bezahlt wird oder sich als Selbstzahlerleistung etablieren kann. Dazu kommt auf der anderen Seite die anhaltende Debatte um den Datenschutz, der in Deutschland einen sehr hohen Stellenwert einnimmt. Sich damit auseinanderzusetzen und rechtlich einwandfreie Lösungen zu finden, verzögert den Entwicklungsprozess und die Zulassung innovativer Ideen erheblich. Nicht zuletzt wächst die Akzeptanz digitaler Gesundheitslösungen vor allem bei den tradierten Marktakteuren nur sehr langsam.

Startup_DUS: Bei diesem Bootcamp stand die deutsche Apotheker- und Ärztebank den Teilnehmern als Mentor zur Verfügung. Welche Aufgaben kamen damit auf Ihr Unternehmen zu? Mit welchem Know-How konnte die deutsche Apotheker- und Ärztebank den Startuppern zur Seite stehen? 

Daniel Zehnich: Uns war es angesichts der oben beschriebenen Hürden vor allem wichtig, die Gründer zu einem frühen Zeitpunkt mit den Mechanismen des deutschen Gesundheitsmarktes vertraut zu machen und Transparenz zu schaffen. In diesem Zusammenhang haben wir die Startups dazu angehalten, immer wieder die eigene Zielgruppe und das Geschäftsmodell zu schärfen, relevante Mitspieler im Blick zu haben und sich auf einen realistischen Weg zu fokussieren. Neben dem tiefen Verständnis für den deutschen Markt, brauchen die Teams vor allem Unterstützung beim Aufbau eines breiten Netzwerkes an Vertretern aus dem Gesundheitsmarkt. Hier ist es uns in verschiedenen Formaten gelungen, die Jungunternehmer mit Entscheidern aus der Branche zusammenzubringen und nachhaltige Verbindungen zu knüpfen.

Startup_DUS: Welchen Mehrwert sehen Sie für die deutsche Apotheker- und Ärztebank in der Unterstützung eines solchen Bootcamps oder auch der Startup-Woche Düsseldorf? Kann die deutsche Apotheker- und Ärztebank etwas von diesen Startups lernen?

Daniel Zehnich: Natürlich! Die Begleitung hochinnovativer Startups ermöglicht es uns, an den neuesten Trends im Gesundheitswesen teilzuhaben und unseren Blickwinkel über den deutschen Markt hinaus international zu erweitern. Außerdem sind wir im Vergleich zu den Startups eine relativ große Organisation. Daher ist es spannend, einen Einblick in die Prozesse und Arbeitsweisen dieser agilen und überaus flexiblen Unternehmen zu erhalten. Uns ging es vor allem darum, Startup-Luft zu schnuppern und die Dynamik und den Innovationsgeist der Szene in die Bank zu tragen.

Startup_DUS: Für welche Herausforderungen benötigt die Gesundheitsbranche zeitnah innovative Lösungen zum Beispiel durch Startups? Wo liegt Ihrer Meinung nach der größte Arbeitsbereich für Startups auf diesem Markt in der Zukunft? 

Daniel Zehnich: Zunächst sehe ich intelligente vernetzte Lösungen, mit denen Heilberufler als auch Patienten Wege, Kosten und Zeit sparen und die zudem den Zugang und die Qualität von Versorgung verbessern als unerlässliche und wichtigste Entwicklung im deutschen Gesundheitsmarkt an. Ein weiteres spannendes Thema sind digitale Assistenten, die beispielsweise chronisch kranken Patienten echte Mehrwerte bieten. Diese helfen den Betroffenen dabei, mit der Krankheit im Alltag besser umzugehen, zum Beispiel durch eine automatische Generierung und Auswertung von Daten. Wichtig wird hier allerdings zukünftig geeignete Schnittstellen dieser Anwendungen zum Heilberufler, sprich zum Arzt oder Apotheker zu schaffen, um diese Daten auch in die Behandlung einfließen zu lassen. Ein weiterer Trend sind digitale Therapien, bei denen beispielsweise durch die Verwendung von Programmen bestimmte Krankheitsbilder verbessert werden können.

Startup_DUS: Finanzierung ist gerade bei jungen Unternehmen ein wichtiger Faktor. Laut Ihrer Satzung ist es der Auftrag Ihres Unternehmens, Ärzte, Zahnärzte und Apotheker zu unterstützen und zu beraten. Bietet die deutsche Apotheker- und Ärztebank außer dem Engagement bei Startup-Events auch finanzierende Unterstützung für andere Berufsgruppen, wie zum Beispiel für Startups im Gesundheitswesen, deren Gründer aber selbst keine Heilberufe erlernt haben?

Daniel Zehnich: Unter dem Leitsatz „Wir ermöglichen Gesundheit“ unterstützen wir grundsätzlich Unternehmen, die Gesundheit und Gesundheitsversorgung fördern – unabhängig von der Profession der Gründer. Besonders interessant sind für uns immer solche Ideen, die die Arbeit der Ärzte, Zahnärzte und Apotheker erleichtern und unterstützen. Wenn ein Startup eine Lösung entwickelt, die es z.B. einem Arzt ermöglicht, mehr Zeit für seine medizinische Kerntätigkeit und am Patienten zu verbringen, tauschen wir uns gerne mit den Entwicklern über Möglichkeiten der Zusammenarbeit aus. Darüber hinaus arbeiten wir aktuell intensiv an Lösungen, um auch in Sachen Finanzierung der erste Ansprechpartner für Startups im Gesundheitswesen zu werden und zu sein.

Startup_DUS: Investiert die deutsche Apotheker- und Ärztebank mit Eigenkapital in solche Startups? Welche Voraussetzungen muss ein Startup dafür mitbringen?

Daniel Zehnich: Wir haben erkannt, dass die Suche nach Investoren ein (überlebens)wichtiger Punkt für Startups ist. Daher unterstützen wir innovative Gründer bereits heute mit unserem Know-How und einem großen Netzwerk– z.B. zu Business Angels, Standesorganisationen oder Experten auf dem jeweiligen Gebiet. Wir sehen aber auch, dass unsere Kunden selbst gerne in Unternehmen im Gesundheitsmarkt investieren würden. Im nächsten Schritt planen wir daher die Konzeption einer Lösung, um beide Interessen – die Investitionsbereitschaft in die eigene Profession sowie die Suche nach Förderern – zusammenzubringen.

Startup_DUS: Was macht Düsseldorf für Ihr Unternehmen zur absoluten Startup-City?

Daniel Zehnich: Uns ist vor allem in den vergangenen zwei Jahren aufgefallen, dass Düsseldorf als Startup-City immer beliebter und von vielen Seiten stark unterstützt wird. Neben etablierten Industriekonzernen und vielen Telekommunikations- und Medienunternehmen bietet die dichtbesiedelte Region den Talenten gute Möglichkeiten zu wachsen und starke Kunden, Partner und Mitarbeiter zu finden. Außerdem herrscht ein besonderer Spirit – sicherlich bodenständiger als in Berlin – aber mit viel Engagement und gegenseitiger Unterstützung.