Im Gespräch mit René Coiffard, Managing Director von MediaCom, wird schnell klar, warum das weltweit agierende Agenturnetzwerk so gut mit Startups kann: Einer der Erfolgsfaktoren des Unternehmens ist der „Gründergeist“, den man sich über die Jahre bewahrt hat. Wir haken nach.

Startup_DUS: Löwen in Cannes als “Media Network of the Year”, Standorte in mehr als 100 Ländern, viele tausend Mitarbeiter, seit der Gründung von MediaCom 1988 ist einiges passiert. Gibt es eine DNA oder ein Key-Feature von MediaCom, das aus Ihrer Sicht die ganze Zeit über erhalten geblieben ist?

René Coiffard: Natürlich bin ich selbst noch nicht seit 1988 mit an Bord, aber was uns definitiv auszeichnet, ist unsere Devise „People First“. Der Mensch steht im Mittelpunkt unserer Arbeit und das Wohl der Mitarbeiter ist essentieller Teil unserer Arbeit als Agentur. Ein Erfolg für MediaCom ist immer ein Teamerfolg. Zweiter Teil unserer DNA ist etwas, das wir „Systems Planning“ nennen. Heißt: Als Unternehmen, unseren Kunden und Kampagnen gegenüber, aber auch unter allen Mitarbeitern, ganzheitlich, grenzenlos und frei zu denken und zu handeln. Die Verhinderung von „Silos“ kann man als unsere Unternehmensphilosophie bezeichnen. Drittens hat uns in all den Jahrzehnten ein gewisser „Gründergeist“ ausgezeichnet. In unserer Branche haben nur jene langfristig Erfolg, die sich immer wieder neu erfinden.

Startup_DUS: David trifft Goliath, so könnte man mitunter das Zusammentreffen von Startup und gestandenem Konzern beschreiben. Was kann der eine vom anderen lernen?

René Coiffard: Ich würde es eher Partner trifft Partner nennen, denn Startups und gestandene Konzerne bekämpfen sich nicht, sondern profitieren voneinander und sollten in stetem Austausch stehen. Ein Konzern ist schon allein aufgrund seiner Größe auf bestimmte definierte Prozesse und Strukturen angewiesen, die allerdings oft einer gewissen Agilität und Anpassungsfähigkeit im Wege stehen. Im Austausch mit Startups, die deutlich agiler sind, lässt sich einiges lernen. Gründerinnen und Gründer wiederum fehlt es oft an Erfahrung, Geduld und Struktur – Unternehmen können hier Hilfestellungen geben und Erfahrungen teilen.

Startup_DUS: Sie sind mit der Veranstaltung „Marketing mit kleinem Budget“ auf der Startup-Woche vertreten. Warum macht sich MediaCom für Startups stark?

René Coiffard: Als in Düsseldorf gegründetes Unternehmen liegt es uns sehr am Herzen, die Stadt und die hier ansässigen Startups nach vorne zu bringen – von einem starken Wirtschaftsstandort profitieren schließlich alle. Darüber hinaus bringt das direkte Aufeinandertreffen viele Vorteile. Die „Gründermentalität“, die wir uns trotz unserer Größe beibehalten haben, wird vom Austausch mit Startups belebt – und auch wir können immer wieder neues dazu lernen. Auf ganz persönlicher Ebene empfinden meine Kollegen und ich den Austausch mit motivierten, engagierten und ehrgeizigen Gründerinnen und Gründern als ungeheuer inspirierend.

Startup_DUS: Gibt es aktuell Startups, mit denen MediaCom selbst zusammenarbeitet?

René Coiffard: Wir arbeiten auf ganz verschiedenen Ebenen mit Startups zusammen: Beispielsweise mit einer eigenen Innovation-Unit, die Startups mit Media- bzw. Business-Potenzialen für uns entdeckt und Partnerschaften aufbaut. So sind wir in Düsseldorf selbst zum Beispiel in engem Kontakt mit Innovatoren wie den IOX-Labs, Cognigy, LavaLabs oder Welect. Gemeinsam setzen wir bereits vielversprechende Projekte um bzw. sitzen in den Startlöchern. Außerdem unterstützt MediaCom natürlich Gründer aus den eigenen Reihen. Mein Kollege Jens Büschgens hat beispielsweise mit „Plaze“ ein spannendes Unternehmen für Airbnb Product Placements gegründet. Zu guter Letzt bringen wir regelmäßig große Unternehmen und junge Startups aus unserem Netzwerk zusammen. Auf der DMEXCO im vergangenen Jahr haben wir unsere Kunden beispielsweise bei einer exklusiven MediaCom Guided Tour zu den Ständen spannender Startups geführt.

Startup_DUS: Mit einem Augenzwinkern: In Agenturen und Startups ist oftmals eine ähnliche Atmosphäre zu spüren, junge, hippe Menschen, Kicker, offen Räume, viel Energie. Woran merken Sie, dass Sie gerade eine Agentur oder eben ein Startup betreten?

René Coiffard: Leere Club Mate Flaschen, Kicker und ein Playstation Game Lab… Nein, im Ernst: Es stimmt, dass man in Agenturen und Startups oft eine ähnliche, besondere Atmosphäre spürt, die sich aus der Typologie, der Energie und den Freiheiten unserer Branchen ergibt. Allerdings schwappen Dinge wie agiles Arbeiten, flache Hierarchien und die Bedeutung einer angenehmen Arbeitsatmosphäre zunehmend auch auf große Konzerne über – aber Agenturen und vor allem Startups werden meiner Meinung nach hierbei immer Vorreiter sein.

Startup_DUS: Ein Gründer-Team hat genau 1.000 EUR Marketing-Budget übrig. Wofür geben Sie es aus?

René Coiffard: Das lässt sich so allgemein leider nicht sagen, denn es hängt u.a. von den Zielen und der Zielgruppe des jeweiligen Startups, seines Produkts und des entsprechenden Markts ab. Jegliches Budget, wie in diesem Fall 1.000 EUR, gilt es so sinnvoll und zielführend wie möglich einzusetzen. Mein Tipp ist also: Kommt zu unserer Veranstaltung „Marketing mit kleinem Budget“ im Rahmen der Startup-Woche und sprecht in One2One Talks mit unseren Expertinnen und Experten zu Themen wie Performance Marketing, Social Media, Zielgruppendefinition, Live Communication, etc.

Startup_DUS: Und Ihr Pitch zu Düsseldorf als Startup-Standort in drei Sätzen?

René Coiffard: Düsseldorf ist nicht ohne Grund laut Mercer auf Platz 6 der lebenswertesten Städte der Welt: wunderschön, spannendes Kultur- und Freizeitangebot und super Infrastruktur! Im Bereich Startups sehe ich uns sogar vor Berlin, denn es gibt zahlreiche große Unternehmen in NRW, die kooperieren und finanzieren möchten und die Stadt hat eine perfekte Grundlage fürs Durchstarten geschaffen.