Die Begriff „Smart-Home“ ist allgegenwärtig. Neue, innovative Gebäude-Technologien entwickeln sich rasant. Die INTERBODEN GmbH & Co. KG plant bereits heute vorausschauend die Immobilien von morgen. Dr. Thomas Götzen, Geschäftsführer Digitalisierung der INTERBODEN Gruppe, erzählt, wie Startups und Unternehmen gegenseitig voneinander profitieren.

Startup_DUS: Wenn man heutzutage in die Zeitung oder ins Internet schaut, hat man das Gefühl, dass es jeden Tag neue Ideen, Technologien und Lösungen für das vernetzte Wohnen bzw. im Bereich des Smart Homes gibt. Haben Sie da überhaupt noch Zeit zum Luftholen?

Dr. Thomas Götzen: Nicht wirklich. Als Projektentwickler stehen wir vor der Herausforderung, dass von der Planung bis zur Fertigstellung einer Immobilie meist mehrere Jahre vergehen, wir aber die Implementierung smarter Technologien bereits von Anfang an einplanen müssen. Wir sind also – schon unseren Kunden gegenüber – verpflichtet, sehr mutig und vorausschauend in Technologien zu investieren, die vielleicht noch in den Kinderschuhen stecken, damit wir mit Fertigstellung und auch in den Jahren danach eine Immobilie anbieten können, die auf dem aktuellen Stand der Technik ist. Das Spannende für uns ist aber, dass wir dann diese Techniken mitentwickeln und an unsere Gebäude perfekt anpassen können.

Startup_DUS: INTERBODEN steht in der Immobilienbranche für innovative Lebens- und Gewerbewelten. Viele Ihrer aktuellen Projekte werden schon mit Smart-Home-Lösungen wie Haus-Servern oder Ähnlichem ausgestattet. Was ist für Sie die aktuell spannendste Technologie oder der interessanteste Trend?

Dr. Thomas Götzen: Der sicherlich spannendste Trend ist derzeit die intelligente Gebäudetechnik. Das fängt bei einem Hausserver oder Smart-Home-Technologien an. Die Haustechnik wird und muss sich in Zukunft selbst warten oder ein Signal an einen Techniker senden können, wenn es ein Problem gibt. Dazu müssen aber Industrie und Immobilienbranche noch viel enger den Schulterschluss suchen, um mit Smart Buildings den Grundstein für Smart Cities zu legen. Irgendwann werden z.B. Gebäudefassaden über Sensoren verfügen, die meinem Auto melden, wenn in meinem Viertel ein Parkplatz frei wird.

Startup_DUS: Mit viel Lust auf Neues und Innovationen suchen Sie die Zusammenarbeit mit Startups und haben bereits vor sechs Jahren ein eigenes Startup innerhalb des Unternehmens gegründet. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gesammelt? Was hat gut funktioniert, was würden Sie heute anders machen?

Dr. Thomas Götzen: Sie meinen ANIMUS mit dem eigenen Startup im Unternehmen. ANIMUS ist bewusst außerhalb der INTERBODEN Gruppe, da wir die Lösung auch an lokale Mitbewerber verkaufen. Diese Entscheidung hat gut funktioniert, ich würde sie wieder so treffen. Anders machen würde ich die IT-Infrastruktur – heute sind wir viel schlauer, wie unsere Plattform auszusehen hat. Die Struktur der Daten würde ich heute anders aufbauen.

Startup_DUS: Im Rahmen der Startup-Woche laden Sie Startups unter dem Titel „Smarte Immobilien der Zukunft“ zum Pitch. Warum sollten sich Startups gerade bei Ihnen vorstellen – und was ist Ihnen bei Pitches besonders wichtig?

Dr. Thomas Götzen: Ich denke, dass wir ein guter Partner für Startups sind, um mit den Startups zusammen ein am Anfang stehendes Produkt zu finalisieren und weiterzuentwickeln. Und dazu sind wir gerne bereit. Bei uns haben Startups die Möglichkeit, „am lebenden Objekt“ zu arbeiten. Wenn uns eine Idee wirklich überzeugt und die Rahmenbedingungen der Immobilie passen, dann setzen wir eine Idee auch um. Wichtig ist uns daher, dass die Startups mit uns ihr Produkt auch weiterentwickeln und modifizieren wollen.

Startup_DUS: Gibt es (smarte) aktuelle oder geplante INTERBODEN Projekte in Düsseldorf, von denen Sie uns berichten können?

Dr. Thomas Götzen: Sicherlich ist da The Cradle im Medienhafen. Nicht nur das von uns erstmals angewendete Cradle-to-Cradle-Prinzip ist hier herauszustellen. Auch der von uns konzipierte E-Mobilitäts-Hub ist besonders. Er soll nicht nur den späteren Nutzern von The Cradle, sondern allen Menschen im Medienhafen dienen, um die dort angespannte Verkehrssituation zu beruhigen. Alle Dienste können später über die The Cradle App in Anspruch genommen werden.

In Essen haben wir Anfang dieses Jahres BelleRü, das erste „Smarte Quartier“, fertiggestellt: Smart Home, Paketdienste, Reinigungsservices, weitere wohnbegleitende Services – und alles steuerbar über eine (!) App. Diese Erfahrungen werden wir natürlich auch mit in das neue Stadtquartier an der Ulmenstraße nehmen und weiterentwickeln.

Startup_DUS: Ausblick ins Jahr 2030: Wie stellen Sie sich Ihren Arbeitsplatz in zehn Jahren vor?

Dr. Thomas Götzen: Die Entwicklung ist ja momentan so rasant, dass ich jetzt noch gar nicht weiß, ob sich mein Arbeitsplatz 2030 groß von 2019 unterscheiden wird. Wir arbeiten heute schon bereits sehr flexibel und digitalisiert. Ich glaube allerdings, dass sich viele Berufsbilder grundlegend ändern bzw. weiterentwickeln werden. Bei uns in der Verwaltung zum Beispiel sind Abrechnungsthemen nahezu automatisiert. Das heißt, dass die Kollegen, die früher noch sehr aufwändig Nebenkostenabrechnungen geschrieben haben, mehr Luft haben und sich vom klassischen Verwalter hin zum Kundenberater entwickeln, um noch stärker auf die Bedürfnisse der Immobiliennutzer eingehen zu können. Wir haben dadurch die Möglichkeit, den Bewohnern oder Büronutzern Angebote zu generieren, um das Wohnen und Arbeiten angenehmer zu machen.

Startup_DUS: Und Ihr Pitch zu Düsseldorf als Startup-Standort in drei Sätzen?

Dr. Thomas Götzen: „Düsseldorf ist der ideale Standort für Startups, da diese nicht nur von den ansässigen Unternehmen, sondern eben auch von der Stadt aktiv unterstützt werden.“ Das war zwar jetzt nur ein Satz, sagt aber wohl alles zu Düsseldorf als Startup-Standort.