Die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Düsseldorf unterstützt die Gründerszene der Stadt mit zahlreichen Formaten und Aktivitäten. Dr. Nikolaus Paffenholz, Leiter der Abteilung Recht und Steuern, berichtet uns, warum Düsseldorf als Standort für Startups so attraktiv ist.

Startup_DUS: Die IHK Düsseldorf setzt sich bereits seit Jahren mit vielfältigen Maßnahmen und Angeboten für die Gründerszene in Düsseldorf ein. Was hat sich dadurch in der Stadt in den vergangenen Jahren geändert? Was fällt Ihnen besonders positiv auf und wo sehen Sie noch Bedarf?

Dr. Nikolaus Paffenholz: Vor rund fünf Jahren wurde in Düsseldorf die Startup-Initiative gestartet, seitdem ist eine richtige Szene entstanden, zu der neben Gründerinnen und Gründern sowie Unternehmerinnen und Unternehmern auch zahlreiche Institutionen gehören, so wie die IHK. Bei der Gründungsberatung haben wir vor Ort immer schon mit vielen Partnerinnen und Partnern gut und eng zusammengearbeitet. Durch den Fokus auf Startups sind aber auch neue Akteure dazu gekommen, die wir vorher nicht so stark im Blick hatten, etwa die Coworking-Spaces. Mittlerweile hat sich die Zusammenarbeit etabliert, man kennt sich gegenseitig und pflegt einen kurzen Draht. Diese gute Zusammenarbeit trägt Früchte. Ich denke da etwa an das Rheinland-Pitch Finale, immerhin das größte Startup-Pitch-Event in Deutschland. Ein weiteres Beispiel ist die FuckUp-Night, bei der Unternehmerinnen und Unternehmer über ihre gescheiterten Geschäftsideen beziehungsweise Krisen berichten. Die Blanko GmbH, das Super7000 und die IHK haben die Veranstaltung im vergangenen Jahr gemeinsam ausgerichtet. Weil das extrem gut ankam, wird es 2019 eine Neuauflage geben. Neue Herausforderungen gibt es immer, aber das gute Netzwerk ist die Grundlage, diese erfolgreich anzugehen.

Startup_DUS: Die IHK Düsseldorf ist auf der Startup-Woche Düsseldorf gleich mit zwei Veranstaltungen präsent, einmal zum Thema Ausweitung des Geschäfts auf internationaler Ebene, einmal zum Thema Rechtssicherheit im Internet. Bleiben wir beim Thema Internationalisierung, warum funktioniert diese von Düsseldorf aus besonders gut?

Dr. Nikolaus Paffenholz: Düsseldorf steht bei ausländischen Unternehmen hoch im Kurs, weil es bereits ein sehr erfolgreicher internationaler Standort ist. Nach einer IHK-Studie ist jedes sechste Mitgliedsunternehmen in ausländischem Kapitalbesitz, europaweit steht Düsseldorf neben London und Paris auf Platz 3 der Standorte für ausländische Direktinvestitionen. Neben der Wirtschaftsstruktur und der geografischen Lage mitten in Europa spielen vor allem der Flughafen und die Messe eine Rolle. Alle diese Faktoren ergeben zusammen genommen ein weltoffenes, internationales Umfeld, in dem sich gute Geschäfte machen lassen, in dem es sich aber auch gut leben lässt.

Startup_DUS: Und zum Thema Internet: Dank der neuen DSGVO-Verordnung und weiterer Vorgaben bemerkt man hier immer wieder Unsicherheiten bei vielen Unternehmen. Bekommen Sie vielen Anfragen dazu und wie können Sie weiterhelfen?

Dr. Nikolaus Paffenholz: Die Datenschutzgrundverordnung hat tatsächlich bei vielen, insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen, für große Verunsicherung gesorgt, obwohl es natürlich eine Umsetzungsfrist gab und viele der Regelungen auch schon nach altem Recht galten. Die IHK hat dazu zahlreiche Informationsveranstaltungen angeboten, Anfragen beantwortet und auf einer eigenen Internetseite  die wichtigsten Informationen zusammengestellt. Dieser Service ist bei den Unternehmen gut angekommen. Für viele war die Umstellung mit bürokratischem Aufwand verbunden, aber befürchtete Folgen wie eine Abmahn- oder Bußgeldwelle sind bisher ausgeblieben. Politisch setzt sich die IHK-Organisation im Übrigen für eine gesetzgeberische Klarstellung ein, um missbräuchliche Abmahnungen wegen Datenschutzverstößen zu verhindern.

Startup_DUS: Große Konzerne setzen immer häufiger auf Innovationsabteilungen oder eigene Startups innerhalb des Unternehmens. Was kann gerade der Mittelstand aus der Startup-Mentalität mitnehmen?

Dr. Nikolaus Paffenholz: Man sollte mit dem positiven Befund anfangen, dass es viele beeindruckende Beispiele dafür gibt, wie innovativ der Mittelstand in Deutschland ist. Darauf können wir sehr stolz sein. Aber der Veränderungsdruck und die Veränderungsgeschwindigkeit nehmen stetig zu, egal ob es um Produkte, Technologien, die Digitalisierung, neue Organisationskonzepte oder um eine moderne Arbeitskultur geht. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen sich schnell und gezielt auf neue Trends und Kundenanforderungen einstellen. Genau das ist die Stärke von Startups. Daher sehen wir in der Zusammenarbeit von etablierten Unternehmen, ganz gleich, ob aus dem Mittelstand oder Konzernen, mit Startup-Unternehmen ein großes Potential. Das gilt gerade für unsere Region, in der es viele erfolgreiche Unternehmen und eine wachsend Startup-Szene gibt.

Startup_DUS: Sie begleiten rund 900 Gründungsvorhaben im Jahr. Lassen sich Trends ablesen, also Themen oder Technologien, mit denen sich aktuelle Startups vor allem beschäftigen?

Dr. Nikolaus Paffenholz: In der Gründungsberatung sehen wir traditionell viele Vorhaben aus dem Dienstleistungsbereich. Viele Gründerinnen und Gründer rechnen sich in der Region Düsseldorf aufgrund der hohen Unternehmensdichte und der Kaufkraft gute Chancen aus. Durch die wachsende Startup-Szene und Initiativen wie dem Gründerstipendium.NRW beraten wir zunehmend auch Gründerinnen und Gründer mit digitalen Geschäftsmodellen. Auch aus dem universitären Umfeld gibt es Beispiele erfolgreicher Ausgründungen. Natürlich tauchen dabei auch aktuelle Trendthemen auf, wie die Blockchain-Technologie, Künstliche Intelligenz oder das Internet der Dinge. Die Vielfalt der unterschiedlichen Themen spiegelt aber die Branchenvielfalt wider, die den Standort Düsseldorf ausmacht.

Startup_DUS: Mit Augenzwinkern: Wenn Sie an die etablierte, alt eingesessene Altbierszene in Düsseldorf denken – welche Art von Startup fehlt Ihnen noch, um hier mal ein bisschen frischen Wind hineinzubringen?

Dr. Nikolaus Paffenholz: Auch beim Thema Bier gibt es Bewegung: Nicht nur, dass sich vor wenigen Jahren eine neue Altbierbrauerei etabliert hat, kommt aus Monheim seit dem letzten Jahr eine ganz neue Biersorte, die Alt und Kölsch vereint und damit das Rheinland verbindet. Unterstützt werden deren Gründer übrigens durch das Gründerstipendium.NRW.

Startup_DUS: Und Ihr Pitch zu Düsseldorf als Startup-Standort in drei Sätzen?

Dr. Nikolaus Paffenholz: In Düsseldorf sind Startups ganz nah dran an der Old Economy, an Beraterinnen und Beratern, an Netzwerken sowie an Partnerinnen und Partnern. Sie finden Sparringspartnerinnen und -partner auf Augenhöhe, egal, wie ausgefallen ihre Idee auch sein mag. Düsseldorf ist ein weltoffener Standort, in dem sich ebenso gut Geschäfte machen lassen, wie es sich leben lässt.