Auch die weltweit tätige Unternehmensberatung McKinsey & Company unterstützt die stetig wachsende Düsseldorfer Gründerszene und bringt Startups mit großen Unternehmen zusammen. Senior Partner Fabian Billing freut sich über die erfolgreiche Entwicklung und berichtet, wo und wie McKinsey Startups zur Seite steht.

Startup_DUS: Als weltweit agierendes Unternehmen mit großem Namen kann eine Begegnung mit einem McKinsey-Berater durchaus respekteinflößend sein. Ist Ihnen das schon einmal mit jungen Gründern passiert?

Fabian Billing: Grundsätzlich ist gegenseitiger Respekt ja etwas Positives. Ich habe durchaus auch viel Respekt vor den Gründern – wegen der guten Geschäftsideen und dem Mut, diese auch systematisch zu verfolgen. Viele unserer Berater haben auch schon Erfahrungen aus Startups – haben Freunde und Kommilitonen in Startups oder sind selbst Gründer gewesen. Meist ist man aber schon sehr schnell bei einer guten inhaltlichen Diskussion und auch beim „Du“ – und trotzdem mit gegenseitigem Respekt.

Startup_DUS: Erst einmal hat man beim Namen McKinsey & Company ja ein Unternehmen vor Augen, das vor allem große, internationale Konzerne berät. Welches Interesse haben Sie an Startups?

Fabian Billing: Natürlich sind die meisten unserer Klienten größere Unternehmen. Allerdings ist das Interesse von und an Startups aus unserer Sicht gegenseitig: Wir können durch strukturierte Problemlösung, funktionale Expertise und Industrieerfahrung Startups dabei unterstützen, die Geschäftsmodelle zu konkretisieren, die Skalierung zu durchdenken oder mit weiteren Partnern zusammenzubringen. Oftmals bringen wir auch Startups mit anderen Klienten zusammen im Sinne einer Win-Win-Situation. Die klassischen Klienten bekommen so Zugang zu interessanten Technologien oder Geschäftskonzepten und die Startups bekommen Zugang zu möglichen Partnern oder Kunden.

Startup_DUS: Wenn Sie gescheiterte oder in der Versenkung verschwundene Startups der letzten Monate betrachten, gibt es eines, dass Sie gerne gerettet hätten? Was hätten Sie besser gemacht?

Fabian Billing: Zunächst einmal dürfen wir dreimal auf Holz klopfen, dass noch keines der Startups, die wir unterstützt haben, von einer Insolvenz betroffen war. Darüber hinaus ist ein Startup immer mit sehr hohem Risiko verbunden, was Gründern, Risikokapitalgebern und weiteren Stakeholdern sehr bewusst ist. Somit kommt es immer wieder vor, dass ein Startup auch mal „in der Versenkung verschwindet“. Das heißt aber nicht, dass die Gründer alles falsch gemacht haben. Viele Gründer lernen daraus und machen es beim nächsten Mal noch besser.

Startup_DUS: Und welches Startup aus der Rhein-Ruhr-Region hat Ihnen in der letzten Zeit imponiert?

Fabian Billing: Statt einzelne Namen hervorzuheben, freuen wir uns lieber über die sehr positive Gesamtentwicklung: NRW hat in diesem Jahr erstmals mit einem Anteil von 19 Prozent aller deutschen Jungunternehmen die bisherige Startup-Hochburg Berlin (15,8 Prozent) überholt. Mehr als die Hälfte davon – 11,2 Prozent – sind dabei in der Rhein-Ruhr-Region angesiedelt. Allein die Zahl der Startups in Düsseldorf hat sich seit 2015 auf heute 350 nahezu verdoppelt. Wir haben uns zu einem DER Startup-Hubs in Deutschland entwickelt – mit entsprechender Infrastruktur und benötigtem Ecosystem – bestehend aus Zugang zu Talent, Geldgebern, Infrastruktur, Technologie- und Industriepartnern, welches für das „Gedeihen“ von Startups elementar wichtig ist.

Startup_DUS: Mit Ihrem Startup-Club unterstützen Sie auch die Gründerszene in Düsseldorf. Was kann man dort erwarten und wie tritt man diesem Club bei?

Fabian Billing: Wir coachen Startups in der Skalierungsphase, also dann, wenn sie ihr Geschäftsmodel bereits etabliert und operativ umgesetzt haben, gezeigt durch erste, stetig wachsende Umsätze. Ein oder mehrere Berater treffen sich bis zu zweimal im Quartal mit den Gründern zu so genannten Problem Solving Sessions. Dabei werden die meist vielschichtigen Herausforderungen der Startups mit strukturierten Ansätzen in einzelne Teilbereiche zerlegt und dann teilweise mit Unterstützung von Experten oder Marktrecherche tiefgehend angegangen. Dieses Angebot hilft den Gründern, die im operativen Tagesgeschäft leicht zu verlierende „Vogelperspektive“ auf ihr Unternehmen einzunehmen und Herausforderungen mit etwas Abstand und einem Blick von außen zu betrachten.

Startup_DUS: Düsseldorfs Startup-Szene ist lebendig. Gibt es für Sie noch wichtige Stellschrauben, an denen man jetzt noch weiterdrehen kann?

Fabian Billing: Wer die Startup-Woche in den letzten Jahren verfolgt hat und auf die Event- und Teilnehmerlisten schaut, der sieht, dass sich bereits sehr viel tut und getan hat. Düsseldorf kann durchaus zufrieden sein, ein gutes Ökosystem für Startups geschaffen zu haben: Der Dihigub Düsseldorf/Rheinland hat sich als Matchmaker und Accelerator etabliert, ebenso wie die neu gestarteten Veranstaltungsreihen „Start-ups meet Investors“, SeedDUS oder der European Venture Contest. Wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn es weitere Gründungen aus den Universitäten geben und mehr internationale Talente Düsseldorf als attraktiven Standort sehen würden. Außerdem sollte sich auch das Netzwerk zwischen Startups und etablierten Unternehmen noch weiter verstärken.

Startup_DUS: Zum Schluss eine echte McKinsey-Weisheit: Womit disqualifiziert sich ein Gründer beim Erstkontakt mit Ihnen oder einem Ihrer Mitarbeiter auf jeden Fall?

Fabian Billing: Man sollte sich nie vom ersten Eindruck täuschen lassen! Aber ein professionelles und freundliches Auftreten ist nie von Nachteil.
Zu den Teilnahmebedingungen unseres Startup Clubs gehört das Erreichen der Skalierungsphase, also die ersten, stark wachsenden Umsätze.

Startup_DUS: Und Ihr Pitch zu Düsseldorf als Startup-Standort in drei Sätzen?

Fabian Billing: Düsseldorf hat m.E. eine sehr attraktive Positionierung für Startups. Der direkte Zugang zu einer Vielzahl von Unternehmen in der Region hat große Vorteile für B2B- oder Technologie-Startups. Düsseldorf hat (noch) ausreichend Büro- und Wohnungskapazitäten zu vergleichsweise akzeptablen Preisen, es gibt viel Kapital und die Stadt ist logistisch sehr gut angebunden.